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Chronik - Audio Dokumente

Zum 50 jährigen Jubiläum im Jahre 1991:

Die Sendung im Radio Allgäu schildert die Bergrettung im Füssener Raum bis weit vor dem offiziellen Gründungsjahr der Bereitschaft Füssen im Jahre 1941.

Lange bevor eine offizielle Gründung stattfand, wurde die Bergrettung vom Deutschen Alpenverein Anfang des 20. Jahrhunderts in sog. Rettungskorps organisiert. Dies geschah in örtlichen Sektionen, Bergrettungsstationen und Rettungsposten mit Meldepunkten.  1928 kam der Gebirgsunfalldienst des Bayerischen Roten Kreuzes hinzu. Nachdem beide Organisationen bei Einsätzen  immer wieder organisatorische Schwierigkeiten hatten, wurden beide im damaligen Ton durch Befehl von oben Zusammengelegt. Die Mitglieder der AV Gruppe wurden Mitglieder des BRK, die Mitglieder des BRK wurden Mitglieder des AV. Mit Ende des 2. Weltkrieges wurde der AV von den Siegermächten verboten, die Bergwacht aber bereits nach wenigen Monaten unter dem Dach des Roten Kreuz unter Wahrung einer eigenen Finanzhoheit wieder zugelassen.

Aber hören Sie weitere Details aus der Geschichte der Bergwacht Füssen und deren Vorgänger.

1991 - 50 Jahre Bergwacht Füssen


"Frauen in der Bergwacht":


Das Tondokument im Bayerischen Rundfunk handelt von einer Diskussion die Anlässlich einer Klage von 2 Frauen, die gegen das Verbot von Frauen in der Bergwacht klagten.
Teilnehmer: Bayer. Rundfunk, die 2 klagenden Frauen,  Bergwacht Allgäu: Abschnittsleiter, Bayerisches Rotes Kreuz: Kreisvorsitzende, Bergwacht Füssen: Bereitschaftsleiter.  

Es ist erst ein knappes 1/4 Jahrhundert her, dass Frauen als aktive Mitglieder lt. Satzung nicht zugelassen waren. Erst durch eine Klage von 2 Frauen aus Baden Würtemberg  wurde dies dann ermöglicht. Die Bergwacht Bereitschaft Füssen konnte schon kurz  nach der Satzungsänderung, als eine der ersten der Bereitschaften in Bayern eine junge Frau zu gewinnen, die sich in Ausbildung und Einsatz hervorragend bewährt hat. Dieses positive Beispiel wurde im Bayerischen Jahresbericht der Bergwacht besonders hervorgehoben und war vielleicht für manche Bereitschaft Ansporn, diesen Weg auch zu beschreiten.  Von da an wurde die Mitgliedschaft von weiblichen Bergwacht Mitgliedern immer selbstverständlicher,  auch wenn die Männer heute noch weit in der Mehrzahl sind.

Die Diskussion im Tondokument zeigt auch, wie sich auch die Gesellschaft in den letzen 25 Jahren geändert hat. Wir sind auf jedenfalls  froh, dass wir schon damals offen wir Neuerungen waren.  Doch hören Sie selbst:

1992 - Frauen in der Bergwacht

von Hipp Heinz, BW-Füssen

Auszüge aus der Chronik

Gute alte Zeit?
Die Bereitschaft Füssen wurde relativ spät, im Jahre 1941, gegründet. Zuvor arbeitete ein Rettungsdienst des Alpenvereins parallel zum Gebirgsunfall-dienst des Roten Kreuzes. Da es gelegentlich Kompetenzgerangel gab, wurde die Vereinigung und Gründung der Bergwacht-Bereitschaft Füssen - wie es damals üblich war - kurzerhand von der Obrigkeit befohlen.

Die ersten Jahre nach dem Krieg waren Zeiten des Mangels, aber auch der Hoffnung und Aktivitäten. Über so manches Ereignis oder Problem aus der damaligen Zeit, kann man heute schmunzeln. Ob unsere Vorgänger damals geschmunzelt haben, sei dahingestellt.

Hunger, Mangel, Pioniergeist
Das Gefühl sich satt essen zu können, ist heute selbstverständlich. Bergwachtmänner erhielten wegen des zusätzlichen Kalorienverbrauches außer den üblichen Lebensmittelmarken eine Sonderzuteilung für Verpflegung.

Im Oktober 1947 bekam der Bereitschaftsleiter folgende Mitteilung: Anstelle von Knäckebrot wird ab sofort amerikanisches Weizenmehl ausgegeben und zwar in Portionen zu 375g. Ein entsprechend großer Sack bzw. Tüte ist mitzubringen.

Bereitschaften, die verspätet Transporte abrechnen, - kommt jetzt Dank unserem Hafi sicher nicht mehr vor - werden von der Zusatzverpflegung ausgeschlossen!

Im Mai 1947 beschwerte sich ein Kamerad darüber, dass eine andere Bereitschaft einen ganzen qm Manchonfilz bekommen habe. Antwort: Der Abschnitt habe noch nie einen ganzen qm Manchonfilz besessen.
Zur Erläuterung: Die damaligen reinen Felskletterschuhe waren mit diesem Filz besohlt. Die Reibung war vor allem auch bei Nässe gut. Im Grunde waren diese Schuhe Vorläufer der heutigen Slics.

Bis zum Inkrafttreten des Rettungsdienstgesetzes, Ende der 70er Jahre mussten die Bereitschaften mittels Losverkauf für die Finanzierung der Bergwacht sorgen. Diese Bettelei war bei den Bergwachtmännern äußerst unbeliebt. So mancher hat trotz eigener bescheidenster Verhältnisse die Lose selbst gekauft - und nichts gewonnen. Als wieder einmal der Losverkauf nicht zufrieden stellend war, kürzte der Abschnitt kurzerhand die Sonderzuteilung Schnaps und Fleischbüchsen. Der damalige Bereitschaftsleiter beschwerte sich heftigst, führte die guten Leistungen in der Bergrettung an und verlangt zumindest eine schriftliche Bestätigung, um jeder Verdächtigung vorzubeugen.

Es gab damals aber auch Pionierleistungen in der Bergwacht, die kaum bekannt sind: So ließ der damalige Bereitschaftsarzt Dr. Rometsch, bei der damaligen Maschinen- und Schiffsbau GmbH Pfronten (Dornier) einen Ackja für 450,- Mark fertigen. Rometsch hatte das Konzept aus Norwegen mitgebracht, und bei der Bergwacht eingeführt. Heute wird dieses Gerät fast unverändert weltweit verwendet. Dr. Rometsch hatte damals auch das Stahlseilsystem für die Bergrettung entwickelt und damit die Rettung aus den großen Wänden revolutioniert. Das System wurde damals patentiert.

Neue Zeit
In all den Jahren hat sich viel geändert. So war z.B. im Jahre 1952 der Jahresetat bei 112,08 Mark, heute liegt er bei deutlich über 15.000,- Euro.

Der damalige Geschäftsführer des Abschnittes und Naturschutzreferent, Georg Frey, schrieb 1954: 'Ich freue mich, dass in Eurem Gebiet noch nicht die Vermassung eingesetzt hat, das Elend unserer Tage'.

Später, im Jahre 1964, wandte er sich mit warnenden Worten gegen den Bau der Tegelbergbahn. Auch berichtete er von Erfahrungen, wo Bergbahnen vorher der Bergwacht goldene Berge versprochen hätten und hinterher nur Arbeit und nicht einmal mehr ein Unterkunftsraum übrig geblieben wäre.

Georg Frey hatte Gott sei Dank nur teilweise recht. Der Tegelberg wird enorm frequentiert. Manche sagen, er sei zu einem Sport- und Rummelplatz verkommen. Drachen und Gleitschirmflieger, mittlerweile auch Mountainbiker sowie eine Unzahl von Gästen bevölkern den Tegelberg, der aber auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden ist.

Aber nur wenig weiter ostwärts ist die Einsamkeit, wie in den 50er Jahre, erhalten geblieben. Die Einsätze der Bergwacht haben sich vervielfacht und konzentrieren sich auf den Tegelberg. Die Zusammenarbeit Bahn - Bergwacht wurde klar geregelt und es hat sich eine gute Partnerschaft entwickelt.

Unverändert geblieben ist der Menschentyp Bergwachtmann + 1 Bergwachtfrau, die mit Begeisterung Tag und Nacht einsatzbereit sind. Gerade wegen der häufigen Einsätze und der modernen Rettungsmittel sind wir für junge Leute attraktiv geblieben.

So blicken wir nicht nur mit Stolz zurück, sondern auch optimistisch in die Zukunft.

von Hipp Heinz, BW-Füssen